Superman?

Einführungsgottesdienst von Pastor Hans-Peter Bruck

Schön geschmückt ist das Gemeindezentrum. Die Wand, die den Gottesdienstraum gegenüber dem Foyer abschließt, ist heute geöffnet und erlaubt viel mehr Besucher als sonst. Und dieser Platz ist auch nötig, denn aus vielen Ecken und Enden kommen Menschen, um bei diesem Gottesdienst dabei zu sein. Zum "Einführungsgottesdienst von Pastor Hans-Peter Bruck" hatte die Freie evangelische Gemeinde (FeG) geladen, und viele waren der Einladung gefolgt. Und so waren bekannte und unbekannte Gesichter zusammen, als um 15 Uhr der Gottesdienst mit der feierlich-musikalischen Eröffnung begann. Mit welcher Erwartung sind wohl die Menschen hier zusammengekommen? Viele, die oft hier zum Gottesdienst gehen, werden sich auf den neuen Pastor freuen, mit dem die fast eineinhalb-jährige Vakanz-Zeit zu Ende geht. Andere, aus der Gemeinde Linkenheim-Hochstetten, die gekommen waren, um ihren bisherigen Pastor bei der Einführung zu begleiten, werden an die nun ihnen bevorstehende Vakanz-Zeit gedacht haben. Und wieder andere, die in offizieller Funktion und Mission dabei waren, werden vielleicht mit Neugierde dabei gewesen sein. Mancher wird auch befürchtet haben, dass es lange Grußworte, noch längere Liedblöcke und viel, Langeweile geben wird, während die anschließenden obligatorischen Häppchen alt und trocken zu werden drohen.

Nicht nur Ernstes wurde gefragt
Paster Fritz Weidemann hielt die Festpredigt

Aber dann kam es doch ganz anders - und alle unsere Erwartungen wurden von der Wirklichkeit ein- und sogar überholt. In einem Interview stellten sich Ingrid und Hans-Peter Bruck den Fragen der Moderatoren Stefan Fetzner und Andreas Werner. Wir erleben sie schlagfertig und nachdenklich und wir lernen, dass die große Familie mit Anhang und Kindern locker zwei Stuhlreihen im Gottesdienstraum belegen kann. Wolfgang Kalthoff und Pastor Fritz Wiedemann beten für den neuen Abschnitt im Gemeindeleben und bitten um den Segen für das Ehepaar in ihren neuen Aufgaben und für die ganze Familie.

In seiner Predigt wendet sich Pastor Fritz Weidemann an Hans-Peter Bruck: "Du bist ja nun der dritte Pastor hier in Bad Schönborn in der FeG. Über den ersten will ich nicht viel sagen und den zweiten kennst du selbst ganz gut. Aber ich sage dir mal, welchen Erwartungen du hier als Pastor ausgesetzt bist." Pastor Fritz Weidemann war der Gründungspastor der Gemeinde und auch Volker Nieland, der 13 Jahre Pastor der FeG gewesen ist, war mit seinen Kindern bei der Einführung dabei. Und so hörten wir alle, welchen Erwartungen sich ein neuer Pastor wohl ausgesetzt sieht: denen eines Superman: "Er sollte eloquent reden können, ein Auge und ein Herz haben für die Menschen, die noch nicht zur Kirche gehen. Er sollte auch einen flexiblen Hals haben, um den verschiedenen Richtungen, die es in der Gemeinde gibt, folgen zu können. Er sollte ein gutes Gesäß für lange Sitzungen haben, Knie, die sich demütig beugen können und so weiter und so fort. So sieht der ideale Pastor aus: ein Alleskönner, der für jeden gleichermaßen da ist und für jeden gleich gut ist. Stark und hörbereit, teamfähig und innovativ, vermittelnd und entscheidungsfreudig, möglichst ohne Fehl und Tadel, ohne große Ecken und Kanten - am besten fehlerlos!"

Einsegnung von Ehepaar Bruck

Und so kommt es dann zu Enttäuschungen. "Enttäuschungen haben auch etwas Gutes", sagt Pastor Weidemann, "sie befreien von einer Täuschung, der man erlegen ist." Und er schreibt dem neuen Pastor und der Gemeinde ins Stammbuch: "Gott braucht keine Helden! Die Bibel beschreibt den Menschen realistisch als Menschen, der großartig sein, der aber auch scheitern kann. Die Bibel macht Gott groß, ohne den Menschen klein zu machen. Im Reich Gottes geht es nach Gottes Regeln, nicht nach menschlichen Regeln. Gott - und nur Gott! - kann es sich leisten, mit Versagern und Ungeeigneten Geschichte zu schreiben. Gott beruft keine Befähigten, aber er befähigt Berufene." Wie gut, dass es Gottes Reich ist, in dem wir leben und arbeiten können, in dem sein Wort gilt und seine Gnade Freiheit und Erlösung verspricht. Wie gut, dass das für jeden Menschen gilt, für den Pastor und den Kirchgänger ebenso wie für den, der Jesus Christus noch nicht kennt. Anschließend begrüßt der Bürgermeister den neuen Pastor: "Ich habe ja schon viele Reden gehalten und zu vielen Anlässen gesprochen - aber eine Pastorenberufung war bisher noch nicht dabei!", sagt er zu Beginn, um dann sehr warmherzig den Pastor auch im Ort willkommen zu heißen. "Mir ist wichtig, dass die Christen im Ort gemeinsam auftreten und ökumenisches Miteinander groß geschrieben wird bei uns!"

Genau dieser Wunsch des Bürgermeisters geht schon ein paar Minuten später in Erfüllung: die Vertreter der evangelischen und katholischen Gemeinden am Ort beten gemeinsam für den neuen Pastor, für die Gemeinde und für die Anliegen, die uns alle auf dem Herzen liegen. Wie gut, wenn Christen miteinander beten können. "Hände zum Gebet falten ist der Anfang eines Aufstandes gegen die Unordnung der Welt", hat der große Theologe Karl Barth einmal gesagt. Wie sehr das stimmt, wird in diesem Bild der miteinander und füreinander betenden Christen in Bad Schönborn deutlich.

Vertreter der Ortskirchen beten für Pastor Hans-Peter Bruck
Hannelore Sorger macht deutlich, wie bunt die FeG ist

Und dann gibt es Geschenke für das neue Pastorenehepaar: in einer Umzugskiste - passend zum bevorstehenden Umzug - wird gesammelt, was die vielen unterschiedlichen Gruppen in der Gemeinde ihrem Pastor als Willkommensgruß mitgebracht haben: Feuerwerkskörper (für zündende Ideen), Anti-Aging-Lotion (gegen das Alt-Aussehen), ein Pflaster (für Verschwiegenheit und Heilung), ein Päckchen Straßenmalkreide (damit es bunt bleibt bei uns), eine Dose Wurst (für etwas Gutes zum Essen bei den Männerabenden), eine Rose (für die Schönheit, die das Deko-Team so gut in Szene setzt), Taschentücher (für Freuden- und andere Tränen) - nach und nach füllt sich die Kiste und es wird viel geschmunzelt über die tollen Ideen und über die Bilder, die von tollen Aktionen, tollen Menschen und von einem großen Reichtum an Begabungen und Aufgaben erzählen, die innerhalb der Gemeinde oder gemeinsam mit anderen im öffentlichen Raum der (politischen) Gemeinde stattfinden.

Nach dem Gottesdienst erwartet die Besucher ein tolles Büfett

Wenn Sie nun denken, dass das ja eigentlich eine ganze Menge Höhepunkte sind, die so einen Festgottesdienst ausmachen, dann gebe ich Ihnen Recht - aber ich habe noch einen Leckerbissen für Sie und jeder, der dabei war, wird mich bestätigen: Nach dem Gottesdienst laden ein liebevoll und großzügig aufgebautes Buffet mit diversen Köstlichkeiten und gut gekühlter Sekt ein zum Verweilen, Plaudern, Kennenlernen und Genießen. Man braucht keinen Superman und keine Superwoman - ganz normale Leute sind genau das Richtige, um sich zu begegnen und das Leben zu teilen. Wir freuen uns auf einen guten weiteren gemeinsamen Weg.

Die Kinder hatten draußen viel Platz zum Spielen
Beim Spiel am Tischkicker spielt das Alter keine Rolle