Abschied

Dankbar für 13 gemeinsame Jahre

Das war ein schweres Fest: Entscheidungen, die getroffen sind, werden sichtbar als unumkehrbar, Erinnerungen an gute gemeinsame Erlebnisse erzeugen Wehmut. Die Klarheit des Abschieds ist schmerzhaft. Die Frage nach dem "Warum?" und nach möglichen Alternativen bleibt unbeantwortet. Abschied tut weh. Es gibt Grund zum Weinen bei diesem Fest.

Mit dem Lied "As I went down to the river" werden die Gäste wieder in den Saal geholt
Alphakurs-Teilnehmer und Mitarbeiter schreien ihre Namen auf Merci-Schokolade
Bei so vielen Gästen bleibt eine Schlange am Buffet nicht aus
Christiana bedankt sich bei Esther mit einem Präsentkorb für ihre Gastfreundschaft

Fast 200 Menschen waren der Einladung gefolgt, dankbar auf dreizehn gute gemeinsame Jahre zurück zu schauen. Vor dreizehn Jahren sind Pastor Volker Nieland und seine Familie nach Bad Schönborn gezogen, um der Berufung als Pastor der Freien evangelischen Gemeinde zu folgen. Nun, dreizehn Jahre danach, legt er aus persönlichen Gründen sein Amt nieder und beendet seine Dienstzeit bei uns. Nicht nur innerhalb der Gemeinde, sondern weit darüber hinaus ist Volker Nieland bekannt und geachtet. Der Bürgermeister, die Pfarrerinnen der evangelischen, der Pfarrer der katholischen Gemeinde und viele weitere Menschen reagieren betroffen und voller Anteilnahme und Mitgefühl. Traurigkeit mischt sich mit Ratlosigkeit. "Das kann man doch nicht feiern!", sagen die einen. "Das ist ja fast wie bei einer Beerdigung!", meinen die anderen. Und hinter allem die Frage: "Wie geht es weiter? Sowohl für Familie Nieland als auch für die FeG? Eine Gemeinde ohne Pastor Nieland können wir uns nicht vorstellen!"

Nach vielem Überlegen war klar: Wir werden eine Feier ausrichten und wir laden dazu alle internen Freunde und Mitglieder ein. Kein offizieller Festakt, kein feierlicher Gottesdienst, keine Fest- und Dankesreden. Das schien uns nicht angebracht und mit großem Verständnis haben alle reagiert, die davon betroffen waren. Wie eine Familienfeier im persönlichen Rahmen - das konnten sich viele vorstellen. "Kirche - das sind nicht die Gebäude, sondern das sind die Menschen, die gemeinsam auf der Suche und auf dem Weg sind", hatte Volker Nieland uns oft gepredigt und nun waren ganz viele davon zusammen, um dem Abschied einen guten Rahmen zu geben. Der Gottesdienstsaal war leergeräumt, mit Tischen ausgestattet und festlich dekoriert. Die Wand zum Foyer war geöffnet, so dass eine große Fläche entstand, um sich zu begegnen, um Bilder von sich machen zu lassen und auf Karten Erinnerungen zu schreiben, um der Musik zuzuhören und mitzusingen, um sich das Essen schmecken zu lassen, alte Kontakte zu vertiefen oder neue zu knüpfen. Gemeinde - das sind die Menschen: und was für tolle Menschen kamen zusammen! Wie schön, dass es nicht genug Platz gab, sodass helfende Hände schnell noch etliche Bierbänke aufbauten, damit jeder sitzen konnte. Wie gut, dass viele Salate und Nachtisch mitgebracht hatten, sodass es ein buntes und reichhaltiges Buffet für alle gab.

Mit den Worten "Du hast uns oft durch deine Gastfreundschaft verwöhnt, liebe Esther!" wurde Esther Nieland ein Korb mit griechischen Lebensmitteln geschenkt. "Ihr könnt gerne kommen und mithelfen, sie zu verzehren!" war Esthers Antwort mit Blick auf den gut gefüllten Korb. Für Volker Nieland gab es eine große Merci-Schachtel - allerdings leer! Alle, denen in irgendeiner Weise der Glaubensgrundkurs (Alphakurs) wertvoll geworden war, konnten auf einen Merci-Riegel ihren Namen schreiben und ihn dann in die große Schachtel legen, um sich so persönlich von ihrem Pastor zu verabschieden. Das gab lange Schlangen von Menschen, die diese Form des Danke-Sagens nutzten und am Ende war die große Merci-Schachtel übervoll mit Schokolade. "Jetzt kannst du dir jeden einzelnen auf der Zunge zergehen lassen!", meinte Jürgen Quentel, der Moderator dieses Abends, bei der Übergabe. Und wieviel Grund zur Dankbarkeit für die letzten dreizehn Jahre haben wir: die großen und sichtbaren Dinge wie das Gemeindezentrum, die Predigten, die Freizeiten und Seminare ebenso wie die nicht öffentlichen Themen, die ermutigenden Gespräche in schweren Krisen, die wegweisenden Klärungen in den Irrungen und Wirrungen des Lebens, die segnende Geste und das gemeinsame Gebet um Klarheit in Ratlosigkeit und offen gebliebenen Fragen.

Und fast am Ende der Feier spricht Volker Nieland zu den Gästen und wir alle merken, wie viel Grund zur Dankbarkeit wir haben bei aller Trauer über diese Entwicklung: "Ja, es gibt viel Grund zur Dankbarkeit - und ich bin euch dankbar!", sagt er. "Ihr seid eine mutige Gemeinde. Mit 37 Gemeindegliedern habt ihr mich 2001 zum Pastor berufen und mit 55 Gemeindegliedern haben wir beschlossen, dieses Gebäude hier zu bauen. Behaltet diesen Mut!" Und er fährt fort: "So schwer mir diese Entscheidung fällt und so sehr ich manchmal damit hadere, so sehr ist sie doch auch richtig, nicht nur für mich, sondern auch für meine Frau Esther und meine Kinder." Und er ruft uns auf, immer wieder beim Zentrum zu bleiben: "Lehrmeinungen retten nicht. Diese Gemeinde ist so vielfältig wie die Menschen, denen sie Heimat ist. Jesus Christus rettet. Er ist die Mitte und wir sollen uns immer neu und immer wieder auf ihn ausrichten und ihm nachfolgen."

Wolfgang Kalthoff, Mitglied der Gemeindeleitung, überreicht Familie Nieland einen Fisch mit vielen kleinen Fischen

Einen großen Fisch, der aus vielen kleinen Fischen besteht, die gut gefüttert sind, gibt es noch als Geschenk für die ganze Familie. Und den Abschluss bildet das gemeinsam gesungene Lied "Großer Gott, wir loben Dich". Es stimmt: Gott ist die Hauptsache und so lange die Hauptsache wirklich Hauptsache bleibt, ist alles gut und richtig.

"Jeder, den man fragte, ob er etwas tue, um mitzuhelfen, hat uns sofort zugesagt", meinten die Organisatoren nachher und so ist es auch nach dem Schlusslied: Alle Hände packen mit an, Kinder werden zu begeisterten Stühle-Ausrichtern im Gottesdienstraum, die Küche ist voll mit spül-, abtrocken- und aufräumerfahrenen Helfern, im Handumdrehen ist der Saal leergeräumt, gefegt und bestuhlt, das Foyer wieder in den alten Zustand versetzt und Essen und Getränke sind verstaut. Was für ein schönes Bild: Wir feiern zusammen, wir lachen zusammen, wir weinen zusammen, wir berühren einander und lassen uns berühren, wir essen und trinken miteinander - und wir räumen gemeinsam auf, wo es erforderlich ist. Wir sind Gott dankbar für die gute gemeinsame Zeit und wir erbitten seine Wegweisung und seinen Segen für die Gegenwart und die Zukunft.