Interview mit Doyin Coker
Wie alt bist Du? Ich bin 29 Jahre alt.
Wo bist Du geboren und aufgewachsen? Ich bin in Lagos, Nigeria, geboren, aber in einer kleinen Stadt namens Isara aufgewachsen, die etwa zwei Stunden von Lagos entfernt liegt.
Familienstand? Ich bin verheiratet.
Hobbys? Ich lese, koche und singe sehr gern.
Aktivitäten in der Gemeinde? Ich bin Mitglied des Musikteams.
Und nun zu den Fragen:
Möchtest du Dich und Deine Familie kurz vorstellen?
Mein Name ist Adedoyinsola Motunrayo Coker. Ich bin 29 Jahre alt und seit fast acht Jahren mit Tosin Gbenga Coker verheiratet. Wir haben zwei Töchter: Akorede Adebayo, meine Ältere, ist sechs Jahre alt, und Elora Iremiposi, meine Jüngere, ist 20 Monate alt.
Du bist vor einigen Jahren nach Deutschland ausgewandert. Wie hast Du die ersten Tage und Monate hier erlebt? Was war besonders herausfordernd und was war überraschend schön?
Meine erste Erfahrung bei meiner Ankunft in Deutschland hatte nichts mit dem Land selbst zu tun. Ich war einfach nur erleichtert und glücklich, meinen Mann wiederzusehen. Wir waren fast sieben Monate getrennt gewesen. Es war, als könnte ich endlich wieder aufatmen. Doch als diese Euphorie über das Wiedersehen verflog, wurde mir schmerzlich bewusst, wie weit weg ich von zu Hause war, meine Familie und Freunde zurückgelassen hatte – Gott sei Dank für die Technik! Die nächsten Monate waren einsam, denn ich bin nicht besonders kontaktfreudig und liebe es, mich drinnen aufzuhalten. Außerdem sprach ich die Sprache nicht, was es zusätzlich erschwerte. Vor meiner Ankunft hatten mein Mann und ich über verschiedene Kirchen gesprochen, und er erwähnte eine evangelische Gemeinde in unserer Nähe. Als die Einsamkeit überhandnahm, schlug ich ihm vor, die Kirche einmal zu besuchen und zu sehen, ob wir uns dort wohlfühlen würden. Und dann ging es bergauf.
Eines der Dinge, die ich überraschend schön finde, ist die große Anzahl an Spielplätzen für Kinder in unserer Umgebung. Es ist einfach fantastisch, die Kinder können sich aussuchen, auf welchen Spielplatz sie gehen möchten, er ist altersgerecht und familienfreundlich.
Gibt es kulturelle Unterschiede zu Deinem Heimatland, die Du nicht erwartet hast?
Es gibt viele kulturelle Unterschiede zwischen meinem Heimatland und Deutschland. Zunächst einmal die Anrede: In Nigeria ist es unerlässlich, dass man niemanden mit seinem Namen anspricht und auch nicht mit dem eigenen. Alle sind Tante oder Onkel, außer am Arbeitsplatz, wo man mit Herr und Frau angesprochen wird. Etwas ungewohnt finde ich es, Leuten direkt in die Augen zu schauen. Es gilt als respektlos, jemandem beim Sprechen in die Augen zu schauen, besonders älteren Personen. Auch die Erziehung ist anders: In Nigeria werden Kinder gemeinschaftlich erzogen, hier ist es individueller, und man darf nicht das Kind eines anderen tadeln, wenn es etwas falsch gemacht hat.
Wie erlebst Du das Familienleben mit zwei kleinen Kindern in einem neuen Land?
Ich bin froh, dass meine Kinder viele Dinge erleben können, die in Nigeria nicht so selbstverständlich sind. Trotzdem ist es tatsächlich schwierig. Mein soziales Netz ist sehr klein, und ich vermisse meine Mutter sehr, weil ich weiß, dass sie immer für mich da ist, wenn ich Hilfe brauche. Aber wenn sie so weit weg wohnt, ist es einfach schwer.
Wie hast Du von der Freien Evangelischen Gemeinde (FeG) in Bad Schönborn erfahren und was hat Dich dazu bewogen, Mitglied zu werden?
Ich hatte ja schon erwähnt, dass mein Mann mir von einer evangelischen Gemeinde in der Nähe erzählt hatte, noch bevor ich hierherkam. Wir waren aber erst skeptisch, weil wir damals die Sprache nicht gut sprachen. Nach drei Monaten Live-Gottesdiensten aus Nigeria sehnte ich mich nach echter Gemeinschaft mit anderen Gläubigen. Also schlug ich meinem Mann vor, die Gemeinde mal zu besuchen. Pastor Jens schickte uns netterweise immer die englische Version der Predigt. Der Rest ist, wie man so schön sagt, Geschichte. Wir fühlen uns hier wie zu Hause.
Man sieht und hört Dich oft am Mikrofon im Musikteam während der Gottesdienste. Wie unterscheiden sich Musik und Lobpreis hier von denen in Nigeria? Was würdest du dir in diesem Bereich unserer Gottesdienste wünschen?
Musik und Lobpreis sind in Nigeria ein fester Bestandteil des Gottesdienstes. Wir singen und klatschen nicht nur, wir tanzen (wie König David in der Bibel), springen und lachen beim Lobpreis. Es ist der Teil des Gottesdienstes, in dem man sich Gott wirklich öffnen kann.
Mir ist aufgefallen, dass die Menschen hier lieber draußen tanzen, als in Gottes Gegenwart. Sie bevorzugen es, in der Kirche feierlich und still zu sein. Ich glaube, es gibt einen Platz für Stille im Gottesdienst und einen Platz für Tanz im Lobpreis. Die Bibel berichtet von König David, der in Gottes Gegenwart tanzte.
Kurz gesagt, ich denke, wir könnten im Haus unseres Vaters entspannter sein.
Welche Rolle spielt der Glaube in Deinem Alltag? Wann fühlst Du dich Gott besonders nah?
Glaube ist mein Alltag. Ich tue Dinge, die mir helfen, mit Gott verbunden zu bleiben: Ich höre Lobpreislieder im Haus, während ich meinen Alltag erledige, und höre Bibeltexte beim Hausputz oder auf dem Weg.
Ich fühle mich Gott besonders nahe, wenn ich Musik über die Erlösung, das Opfer Jesu, seine Auferstehung und die Vaterschaft Gottes höre. Aber lasst euch nicht täuschen: Manchmal klappt es, manchmal nicht. Doch eines ist sicher: Gott ist immer bei uns, ob wir uns ihm nahe fühlen oder nicht. Er ist immer da.
Wie können wir als Gemeinde Menschen aus anderen Ländern besser willkommen heißen und unterstützen?
Ich würde nicht sagen, dass die Kirche perfekt ist, aber ich denke, wir tun unser Bestes, um Menschen aus anderen Ländern willkommen zu heißen. Die Entscheidung liegt letztendlich bei den Menschen selbst, ob sie bleiben möchten oder nicht. Ich persönlich versuche, Menschen zu erreichen, die ich schon länger nicht mehr in der Kirche gesehen habe, besonders Afrikaner, weil ich gerne hier bin und es mir hier sehr gut gefällt. Ich kann sie aber nur ermutigen, zu kommen. Die Entscheidung, ob sie bleiben möchten oder nicht, liegt ganz bei ihnen. Sicherlich ist der Gottesdienst anders, aber mit etwas Offenheit und der Liebe Christi glaube ich, dass die Menschen, die Gott für sie bestimmt hat, auch kommen werden.
Darüber hinaus könnten wir auch den Kontakt zu den Menschen suchen, nach ihnen fragen, wenn wir sie in der Kirche oder in der Stadt sehen, mit ihnen ins Gespräch kommen und sie wirklich kennenlernen. Möge Gott uns Weisheit schenken.
Vielen Dank für das Interview!