„Vater unser im Himmel“

Vaterunser in Bad Schönborn

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Wir sitzen im Kreis zusammen. In der Mitte liegt als Bodenbild eine große Sonnenblumenblüte aus Papier. Es soll ums Vaterunser gehen. Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen. Alter Text, so bekannt. Langweilig?

„Vater unser“ – Wie rede ich Gott an? Wer ist er für mich? Papa, Schöpfer, Versorger, bester Freund, Heiler, Fels, Herr, guter Hirte und noch viele andere Anreden ergänzen nun das Bild.

Wofür bin ich dankbar? - Menschen nennen ihre persönlichen Dankbarkeits-Gründe und legen dabei einen glänzenden Muggelstein ab; eine nimmt gleich eine ganz Hand voll. Das Bodenbild beginnt bunt zu glitzern.
Was macht mir Mühe? - Graue, schwere Steine werden zu den Glitzersteinen gelegt. Wie gut, dass Beides bei Gott seinen Platz hat.

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Wir sitzen im Kreis...
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...um das Bodenbild einer Sonnenblume

Wir beten zeilenweise das Vaterunser und bekommen Impulse, dem nachzuspüren, was dabei im Innern anklingt:

Vater unser im Himmel! Geheiligt werde dein Name. - Wer bin ich?
Ungute Glaubenssätze kommen zum Vorschein. Sie werden konfrontiert mit Gottes Zusagen voller Lebenskraft: Gott sagt: Ich bin bei dir. Du bist mein geliebtes Kind.

Dein Reich komme. - Ich kann nichts bewirken.
Gott sagt: Ich wirke in dir.

Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auch auf Erden. - Ich werde nicht gefragt.
Gott sagt: Ich frage nach dir.

Unser tägliches Brot gib uns heute. - Ich muss selbst für mich sorgen.
Gott sagt: Ich versorge dich.
Ein Teller mit Brot wird durch die Reihen gereicht. Jede/r darf sich ein Stück nehmen. Eine Reihe wird beinahe übersehen. Fühlen wir uns nicht auch manchmal so: doch nicht versorgt?

Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben allen, die an uns schuldig werden. - Das kann ich nie verzeihen.
Gott sagt: Ich vergebe dir.
Eine Schale mit Wasser steht bereit. Auf kleine Zettel kann mit wasserlöslichem Stift aufgeschrieben werden, wo Vergebung im eigenen Leben ganz konkret Raum finden darf. Berührend zu sehen, wie sich da etwas (auf)löst.

Und führe uns nicht in Versuchung - Ich kann nicht widerstehen.
Gott sagt: Ich halte dich.

erlöse uns von dem Bösen. - Ich bin dem ausgeliefert.
Gott sagt: Ich befreie dich.

Mitten im Gottesdienst steht ein kleines Mädchen auf, läuft zum Brot-Teller hin und nimmt sich seelenruhig ein weiteres Stück Brot. Es kommt noch einmal. Und noch einmal. Und noch einmal. Und ich denke: Ist nicht genau so Gott? Er versorgt. Nicht nur einmal, sondern immer und immer und immer wieder. Da stelle ich mich gerne drauf.

  (Spö)